Fundgrube lokaler Geschichte
Kooperation zwischen Erich Kästner-Gesamtschule und Gemeindearchiv
VON GERALD DUNKEL
Kirchlengern. Wie lebendig Geschichte sein kann, haben in den vergangenen Monaten Schüler der Erich-Kästner-Gesamtschule in Kirchlengern erfahren, als sie an einem Projekt über die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf die Gemeinde arbeiteten. Das gelang in Zusammenarbeit mit dem Gemeindearchiv. Daraus entstand jetzt eine Kooperation, die sowohl für die Schule wie auch für das Archiv selbst gewinnbringend sein soll.
Die Erich-Kästner-Gesamtschule und das Archiv der Gemeinde Kirchlengern sind gestern im Pyramidensaal der Musikschule diese Kooperation mit den Unterschriften von Schulleiterin Antje Stuke und Bürgermeister Rüdiger Meier eingegangen. Ziel der Zusammenarbeit ist die Entwicklung und Förderung der Recherche- und Informationskompetenz sowie der historischen und politischen Bildung von Schülern.
"Das Projekt beruht auf verschiedenen Standbeinen", sagte Antje Stuke. Oft sei es so, dass Projekte an Schulen an einen bestimmten Lehrer gebunden seien. Das soll hierbei nicht so sein. Begonnen hat es mit dem Projekt zum Ersten Weltkrieg, das unter anderem von Geschichtslehrer Wolfgang Böhm initiiert worden ist. Das Resultat daraus war eine Ausstellung zum Thema unter dem Titel "1. Weltkrieg in Kirchlengern" vom 19. Mai bis 6. Juni. Dabei machten Zehntklässler die Nachkommen zwischen 1914 und 1918 gefallener Soldaten in Kirchlengern ausfindig und baten sie um Erinnerungsstücke aus jener Zeit. Die Recherche im Gemeindearchiv mit Unterstützung durch Archivar Volker Heidemann leistete ihnen unschätzbare Dienste, die künftig besonders im Rahmen des Gesellschaftslehrere- und des Geschichtsunterrichts fortgeführt werden soll.
"Wer seine Vergangenheit vergisst, ist nicht zukunftsfähig", sagte Bürgermeister Rüdiger Meier vor der Vertragsunterzeichnung. Es sei schön zu sehen, wenn Lehrer die Flamme des Interesses an Geschichte an ihre Schüler weitergeben, so Meier weiter. Durch die verschriftlichte Kooperation gibt es nun auch die Möglichkeit, Fördergelder für ähnliche Projekte an der Schule, aber auch für das Gemeindearchiv zu bekommen. Hinsichtlich aktueller fremdenfeindlicher Kommentare in den "unsozialen Medien", so Rüdiger Meier, würde es manch einem gut tun, in so einem Archiv einen Blick in die Vergangenheit zu werfen.
"Durch die eigenständige Arbeit mit Originalquellen unterschiedlicher Überlieferungsformen üben sich Schüler im forschend-entdeckenden Lernen und finden lebendigen Zugang zu vergangenen Epochen und zu den eigenen Wurzeln" sagte Meier.
Diese systematische und auf Dauer angelegte Kooperation im Sinne einer Bildungspartnerschaft von Archiv und Schule soll nach einer Phase der Praxiserprobung gegebenenfalls in modifizierter Form verbindlich in das Schulprogramm aufgenommen werden.
Archivar Volker Heidemann machte am Beispiel des früheren TV Kirchlengern deutlich, welch wertvolle Fundstücke das Archiv hervorbrachte. "Darunter waren zum Beispiel Urkunden mit Originalunterschriften des Bundespräsidenten." Auch daraus ließe sich im Rahmen eines Projekts etwas machen.
© Erich Kästner-Gesamtschule Kirchlengern





