Archiv und Schule kooperieren

Vertragliche Vereinbarung über die Zusammenarbeit

Von Rainer Grotjohann
Kirchlengern(BZ). Ein Beispiel dafür, wie die Zusammenarbeit zwischen Gemeindearchiv und Erich-Kästner-Gesamtschule funktionieren kann, ist das Unterrichtsprojekt zum Ersten Weltkrieg. Ein Beispiel, das allen Beteiligten Mut gemacht hat. Nun wird die Kooperation auf eine vertragliche Basis gestellt.
Bürgermeister Rüdiger Meier und Schulleiterin Antje Stuke haben gestern eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.
Das erste Projekt, über das diese Zeitung mehrfach berichtet hat, war vom Historiker Wolfgang Böhm, Lehrer an der Gesamtschule, geleitet worden. Es sei gelungen, Begeisterung bei den Jugendlichen zu wecken, sagten Böhm und Gemeindearchivar Volker Heidemann übereinstimmend. Die Fortsetzung dieser Zusammenarbeit biete Perspektiven für die Zukunft, sagte Antje Stuke. Denn Archive und Schulen seien der Vermittlung kultureller, historischer und politischer Bildung verpflichtet.
Der Einstieg in geschichtliche Themen werde durch die lokalen und regionalen Bezüge erleichtert, berichtete Archivar Heidemann. So werde ein lebendiger Zugang zu den eigenen Wurzeln geschaffen. Eher abstrakte Themen könnten anschaulich erschlossen werden.
»Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist nicht zukunftsfähig«, sagte Rüdiger Meier und spielte so auf die aktuelle Debatte um den Flüchtlingsstrom an. Die Gemeinde messe der geschichtlichen Bildung von Kindern und Jugendlichen große Bedeutung bei. In diesem Zusammenhang sei auch die Besetzung der Archivleiterstelle zu sehen.
Wolfgang Böhm wies darauf hin, dass auch die Lehrer der Gesamtschule von der jetzt getroffenen Vereinbarung profitieren könnten, etwa durch die Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen des Verbandes der Archivare. Und obendrein könnten Fördermittel von Dritten akquiriert werden.
Böhm hat seine Aufgabe in jüngere Hände gelegt, das nächste Projekt wird Christian Schmidt leiten. Er will sich in Gesellschaftslehre mit der 9. Klasse dem Thema Zweiter Weltkrieg widmen. Das sei eine gute Gelegenheit, den Bogen von den Geschehnissen vor 70 Jahren zur Gegenwart zu schlagen, sagte Meier. Flucht und Vertreibung gebe es damals wie heute. Wer das begreife, werde sich mit fremdenfeindlichen Äußerung vielleicht zurückhalten.
Ideen für künftige Projekte gibt es viele. Archivar Heidemann brachte die Auseinandersetzung mit der Geschichte des TV Häver ins Gespräch. Der Verein hatte noch 1992 sein 100-jähriges Bestehen gefeiert, um sich dann vor wenigen Jahren aufzulösen.
Es gebe eine Vielzahl von Dokumenten, darunter die Gründungsurkunde, die interessante Einblicke in mehr als ein Jahrhundert Alltagsleben in der Gemeinde böten. Und damit auch in die dunkelste Zeit lokaler und deutscher Geschichte, die Jahre von 1933 bis 1945.

© Erich Kästner-Gesamtschule Kirchlengern