Cocktails auch "ohne" lecker

Suchtpräventionstag an der Gesamtschule / Alkohol, Drogen und Medien sind Themen

von Dieter Schnase

Kirchlengern. "Party Time" in der Erich-Kästner-Gesamtschule - aber ohne alkoholische Getränke. Wie lecker Fruchtcocktails schmecken, konnten Schülerinnen und Schüler gestern testen. Mit Hilfe von Pia Bank, Ernäherungsberaterin beim Bünder Ärztenetzwerk MuM (Medizin und Mehr) wurden die gesunden Drinks selbst gemixt. Nur eines von mehreren Themen beim Suchtpräventionstag für den 8. Jahrgang. 

Der Präventionstag hat an der Schule bereits Tradition und umfasst fast die gesamte Palette der Süchte. "Wir haben gute Kontakte zu Institutionen, aber auch zu Betroffenen", sagt Margret Albsmeier, Sozialpädagogin an der Gesamtschule. Diese werden gepflegt, was sich nicht nur finanziell auszahlt. Die Zutaten für die Cocktails, Muffins usw. wurden wieder von einem heimischen Verbrauchermarkt gespendet. Und die AOK Bünde mit ihrem Kundenberater Oliver Meyer beauftragte auf ihre Kosten Kooperationspartner MuM mit dem gesunden Angebot in der Schulküche. "Ich mache eigentlich mehr Einzelberatung", sagt Pia Bank. An Veranstaltungen wie diesen habe ich besondere Freude." Die Schüler konnten die Rezepte gleich mitnehmen. 

Die Aktion hatte einen ernsten Hintergrund: Viele Getränke enthalten Alkohol, und wer nicht das richtige Maß findet, kann schnell zum Alkoholiker werden. Wie der inzwischen "trockene Alkoholiker" T., der bereits seit Jahren die Veranstaltung begleitet, den Schülern von seiner "Karriere" berichtete und auch wieder Fragen beantwortete. "Wir halten uns als Lehrkräfte da sehr zurück", erläutern Regine Steffen und Melanie Görge, die wie ihre Kollegen nur kurz in die Gruppen gehen. Den Präventionstag hatten sie zusammen mit Margret Albsmeier und Laura Brokfeld, Sozialarbeiterin im Berufspraktikum und Anerkennungsjahr, organisiert.

Spannend auch die Geschichte eines ehemaligen Heroinsüchtigen aus Kirchlengern, wie T. Mitglied des Freundeskreises Suchtkrankenhilfe, der inzwischen mit Familie und Kindern im Sauerland lebt. "Er kommt zum Präventionstag jedes Mal mit dem Fahrrad", weiß Margret Albsmeier. Eine schwierige Kindheit wie viele Suchtkranke habe er nicht gehabt, vielmehr sei er in sehr jungen Jahren neugierig gewesen. Über legale und illegale Drogen informierten anschaulich Uwe Holdmann von der Fachstelle Suchtvorbeugung Diakonisches Werk Herford und seine Kollegin. Welche Stationen markieren einen Werdegang - die Schüler konnten hier selbst eine Reihenfolge bestimmen.

Essstörungen sind hauptsächlich ein Problem von Mädchen. Ein Grund für die Organisatorinnen des Tages, keine gemischten Gruppen zu bilden. Ein großes Thema ist weiter die Mediensucht, vor allem der exzessive Gebrauch des Internets mit Facebook, Instagram und Online-Spielen - sei es am PC oder auf dem Smartphone. Das könne den Tagesablauf massiv beeinflussen. Stichwort Heimcomputer: "Manche Eltern sind froh, dass ihre Kinder zu Hause sind", so Regine Steffen. Doch mit Folgen: "Einige Schüler sind übergewichtig und können sich nicht mehr richtig bewegen", weiß Melanie Görge, die Sportunterricht an der Schule erteilt.

Die Gesamtschule will auch mit anderen Projekten informieren. Zum Beispiel "Be smart, don?t start", in dem es um das Rauchen geht. Auch jüngere Schüler sind hier beteiligt. Dem Suchtpräventionstag ging ein Elternabend voraus, weil nicht nur Schule verantwortlich ist.

© Erich Kästner-Gesamtschule Kirchlengern