Gesamtschule setzt auf Berufswahlorientierung

Erich Kästner-Gesamtschule mit Siegel für Arbeit im Bereich Berufsförderung ausgezeichnet.


Bünde/Bielefeld. Dass Schüler/innen Unterstützung auf ihrem Weg in den Beruf erhalten, ist schon Normalität an deutschen Schulen. Doch "normal" ist für die Berufswahl-Koordinatoren Jörg Binder (Sekundarstufe I), Ina Kahl-Lüdkte (Oberstufe) und Corinna Baudo (Kirchlengern) ein unbefriedigendes Wort. Für das überdurchschnittlich große Engagement erhielt die Erich Kästner-Gesamtschule nun als eine von acht ostwestfälischen Schulen die erste Rezertifizierung als "berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule".


Gestiftet wird das Siegel von der deutschlandweit tätigen Peter-Gläsel-Stiftung, die unter anderem von der IHK Ostwestfalen-Lippe unterstützt wird. Schüler und Lehrer nahmen das erstmals 2010 erworbene Siegel bei einer Feierstunde unter Schirmherrschaft von NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann (B.90/Die Grünen) in der Ravensberger Spinnerei in Bielefeld von Michael Uhlich, Abteilungsleiter Schule der Bezirksregierung und Kathrin Baaske von der Peter Gläsel-Stiftung entgegen. "Diese Anerkennung freut uns, weil sie uns bestärkt und zeigt, dass die Anstrengungen, die wir hier seit langer Zeit unternehmen in die richtige Richtung gehen", so Schulleiterin Antje Stuke.


Im Zuge eines aufwendigen "Audits" begutachtete eine Fachjury aus Wirtschafts- und Stiftungsvertretern sowohl das Konzept und seine Präsentation sowie die konkrete Unterstützung der Schüler vor Ort durch Beratungsangebote, Ausbildungsmessen, Praktika, berufsweltbezogene Themen und Projekte im Fachunterricht und Angebote wie die Mitarbeit in einer der inzwischen vier existierenden Schülerfirmen. Ob die "Blockhütte", eine Schülerfirma, die sich durch Beratung und Verkauf von umweltschonenden Arbeitsmaterialien für mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein am Schulstandort Kirchlengern einsetzt, die "Chillkröte" am Standort Bünde, die mit ihren wöchentlichen Mittagessen in der Schulküche zu einem festen Bestandteil des Schullebens geworden ist - diese Angebote machen den Kindern nicht nur Spaß, sie sollen vor allem "Erfahrungsräume schaffen, die es ihnen ermöglichen, den Umgang mit berufspraktischen Tätigkeiten im geschützten Raum der Schule zu üben", so Jörg Binder. Die Schüler regeln Einkauf, Warenangebot, Verkauf, das Marketing und den Personaleinsatz.


Nach Berufspraktika in den Jahrgängen 9, 10 und der Einführungsphase (Jahrgang 11) setzt, unterstützt durch Kooperationen beispielsweise mit der Uni Bielefeld, in der gymnasialen Oberstufe zunehmend auch der Aspekt der Studienorientierung als weiterer Zweig der Berufsförderung ein. "Kein Konzept ist jemals fertig", sind sich alle Beteiligten einig. Doch die Rezertifizierung der Gesamtschule als "berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule" gebe allen Mitwirkenden die Bestätigung, sich den nächsten Herausforderungen zu stellen.


Wie kann die Schule die Phase vom Abschluss bis zum Übergang in die Ausbildung noch aktiver gestalten? Nur eine der Fragen, die diskutiert werden. "Unsere Aufgaben als Schule und als Lehrer haben sich hier in den vergangenen Jahren extrem verändert", weiß Binder. Und mit Blick auf das Siegel freut ihn dabei besonders, dass es "sowohl nach innen in das Kollegium als auch nach außen in Wirtschaft und Politik zeigt, dass hier wichtige Arbeit geleistet wird, die Unterstützung und Rückhalt braucht".

© Erich Kästner-Gesamtschule Kirchlengern