Ein Unterricht, der Freude schenkt
Senioren und Schüler profitieren von der Arbeitsgemeinschaft "Jung und Alt" der Erich Kästner-Gesamtschule
Kirchlengern. Mit einer besonderen Arbeitsgemeinschaft für Siebt- und Achtklässler der Erich Kästner-Gesamtschule in Kirchlengern bereiten die Jugendlichen Pflegeheimbewohnern allein durch ihre Anwesenheit große Freude. Aber auch sie selbst profitieren davon in mehrfacher Hinsicht.
Sie sind schon ein eingespieltes Team, die Schüler und die Bewohner. Immer wieder montags kommen elf Jugendliche nach der Schule ins AWO-Seniorenheim am Mittelacker, holen "ihre alten Leute", die sie schon erwarten, im Zimmer ab, und unternehmen etwas mit ihnen. Mal in kleinen Gruppen, mal mit allen zusammen. "Unsere Bewohner werden dabei richtig aktiv", sagt Sandra Pfau von der Einrichtung. "Alt und Jung" nennt sich die Arbeitsgemeinschaft (AG).
"Die AG ist verpflichtend für ein Schuljahr, wenn sich die Schüler dazu angemeldet haben. Von 14.30 bis 15.45 Uhr kommen sie immer montags hierher, um mit den Senioren zu basteln, zu spielen, mit ihnen spazieren zu gehen, oder einfach auch mal nur zum Unterhalten", sagt Lehrerin Ute Färber, die die AG zusammen mit Friedhelm Blöbaum betreut. Manchmal seien die Jugendlichen auch zwischendurch am Wochenende dort.
Für die Schüler ist das eine Erfahrung, die einige von ihnen zu Hause nicht mehr machen. Entweder sind Oma und Opa nicht mehr da, wohnen weit entfernt, "oder sind noch so jung, dass sie selbst noch arbeiten und nicht die Zeit haben, mit den Enkeln solche Dinge zu unternehmen", sagt Sandra Pfau.
Eine Erfahrung besonderer Art ist aber der Umgang mit dementen Menschen. "Zu diesen Bewohnern gehen immer mehrere Schüler gleichzeitig. Das Verhalten dieser Menschen war für sie zwar zunächst etwas unverständlich, aber sie haben sehr schnell damit umzugehen gelernt", erinnert sich Sandra Pfau an die ersten Begegnungen zu Beginn des Schuljahres.
Und mittlerweile funktioniert der Umgang schon fast auf einer professionellen Ebene. Die neun Mädchen und zwei Jungen der AG gehen einfühlsam auf die alten Menschen ein, die das wiederum mit etwas quittieren, was einigen Jugendlichen zum Teil unbekannt ist. "Es ist eine tolle Erfahrung, von den Leuten ihre Geschichten von früher zu hören", sagt die 13-jährige Michelle. Auch zu erfahren, wie Menschen in einem Pflegeheim leben, findet sie interessant.
Mariele (12) findet die "Freude, die die Menschen haben, wenn wir sie besuchen" besonders schön. Und Philipp (13) macht der Umgang mit den Senioren einfach Spaß.
Neben diesen Erfahrungen haben die Schüler aber auch gelernt, sich in die Senioren hineinzuversetzen. Einen "Rollstuhlführerschein" haben sie in der Arbeitsgemeinschaft zum Beispiel absolviert. Einerseits lernten sie dabei die Bedienelemente kennen, andererseits aber auch, dass man einen Menschen im Rollstuhl nicht einfach, ohne ihn zuvor anzusprechen, zu schieben beginnt.
"Die Jugendlichen haben dabei erlebt, wie es sich anfühlt, im Rollstuhl zu sitzen und jemandem ausgeliefert zu sein, der einen schiebt", erklärt Sandra Pfau.
Aber auch den Verlust eines Menschen mussten sie erfahren. Bei einem der Besuchsnachmittage wollten Schüler freudig eine Seniorin aus ihrem Zimmer abholen. Die Frau war jedoch kurz zuvor verstorben. "Das gehört leider auch dazu", sagt Sandra Pfau.
Dass eine Schülerin jetzt schon ihren Platz für ein Schülerpraktikum bekommen hat, zeigt, dass sich auch über die reinen Erfahrungen hinaus etwas entwickeln kann. Einige der Achtklässler sind von dieser Arbeitsgemeinschaft so fasziniert, dass sie nach der Teilnahme in der 7. Klasse schon zum zweiten Mal dabei sind.
Und die Senioren haben ihre jungen Gäste richtig ins Herz geschlossen. "Es ist doch so schön, dass die Jugend zu uns kommt", freut sich die 89-jährige Rita Wagner. Wie sie werden auch ihre Mitbewohner dabei regelmäßig mit neuen Dingen konfrontiert. Einige wissen mittlerweile sogar in Grundzügen, was sie mit einem Tablet-PC anstellen können.
© Erich Kästner-Gesamtschule Kirchlengern





