Viele Objekte gesammelt: die Schüler der 10b Marc Mair, Torben Kott, Ralf Brandt, Nils Rahlmeyer, Sergej Huckenheimer, Christoph Kaufer, Jan Burdich und Felix Uschmann, links Schulleiterin Antje Stuke, rechts Lehrer Wolfgang Böhm, im Hintergrund Volker Heidemann. Rechts auf dem Tisch ein Rucksack mit Fellbezug aus dem 1. Weltkrieg, das große Bild daneben erinnert an Franz Kammann, links unter anderem der Koffer aus Holz mit Gasmasken.



Kirchlengern. Ein hölzerner Frontkoffer mit zwei Gasmasken gehört zu den beeindruckenden Objekten, die Bürger aus dem Bünder Land der Projektgruppe "1. Weltkrieg in Kirchlengern" der Erich Kästner-Gesamtschule zur Verfügung stellten. Der Koffer wird Teil der Ausstellung, die ab 18. Mai in der Gesamtschule zusehen ist, an der aber noch fleißig gearbeitet wird.

Mit einer so großen Resonanz hatten weder die acht Schüler der Klasse 10b mit ihrem Geschichtslehrer Wolfgang Böhm noch Kirchlengerns Gemeindearchivar Volker Heidemann gerechnet, der das Projekt aktiv unterstützt. Etliche Exponate, darunter auch Karten, die von der Ost- und Westfront nach Hause geschickt wurden, hat er - wie die Schüler bei Hausbesuchen - schon entgegen genommen. "Alle bekommen ihre Stücke pfleglich behandelt wieder zurück", verspricht Heidemann. Noch vor kurzem wurde eine umfangreiche Sammlung Feldpostkarten aus einem Nachlass in Kirchlengern abgegeben, darunter seltene Bildmotive. 

Beim Lesen sei es einigen schon "kalt den Rücken heruntergelaufen" - trotz Zensur, sagt Wolfgang Böhm. Interessant sei auch die Tafel mit den Gefallenen aus Südlengern-Dorf, das damals noch zum Amt Ennigloh gehörte. "Wir haben uns entschlossen, die Ausstellung mit der Ausstellung ,14/18 Mitten in Europa? des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu verbinden", kündigte er an (¦ s.Info-Kasten). Für den eigenen Part haben die Schüler bereits viele Stunden ihrer Freizeit investiert und auch schon mal auf eine Sportstunde verzichtet - "Es macht ihnen aber viel Spaß", weiß ihr Lehrer, was die Schüler im Gespräch mit der NW bestätigen. 

Obwohl der Erste Weltkrieg ein Jahrhundert zurückliegt, ist er nicht zuletzt durch die Exponate, die Bürger aus Kirchlengern, Bünde und Rödinghausen in Kellern oder auf Dachböden fanden, ins Bewusstsein gerückt. Geschichte werde dadurch lebendig, dass die konkreten Auswirkungen auf die Menschen hierzulande aufgezeigt werden, so Schulleiterin Antje Stuke. 

Viel Zeit verbrachten die Zehntklässler anfangs mit den zahlreichen Gedenkblättern, anhand derer sie die Nachkommen der gefallenen Soldaten ausfindig machen wollten, um so zu erfahren, ob deren Familien noch Erinnerungsstücke wie Orden oder Ehrenzeichen aus der Zeit besitzen. Das Thema ist teilweise auch in ihren eigenen Familien noch präsent. "Auf dem Geburtstag meiner Oma wurde erzählt, dass ein Verwandter im Ersten Weltkrieg in Frankreich gefallen ist", berichtet ein Schüler. 

"Momentan sind wir in der Sichtungsphase", sagt Wolfgang Böhm, der besonders auf die "Grabenkunst" hinweist. So wurden für die Ausstellung ein Aschenbecher und ein Mörser zur Verfügung gestellt, die in Werkstätten hinter den Schützengräben entstanden sind. Bis zur Eröffnung soll noch ein Kataster mit allen Exponaten erstellt werden. Zur Ausstellung gehören auch Bücher über den Ersten Weltkrieg, die damals nicht im Handel erhältlich waren und deren Inhalt laut Böhm nicht unbedingt eine Auseinandersetzung mit dem schrecklichen Krieg darstellen. Ab 18. Mai wird die Ausstellung eine Woche lang in der Erich-Kästner-Gesamtschule in Kirchlengern gezeigt - die Vitrinen werden von der Gemeinde finanziert. Wolfgang Böhm kann sich vorstellen, dass die Schüler durch die Ausstellung führen. In der darauffolgenden Woche ist sie im Kirchlengerner Rathaus zu sehen. Auch am Gesamtschul-Standort Bünde sollen die Exponate ausgestellt werden. Wer noch über Erinnerungsstücke aus dem Ersten Weltkrieg verfügt, die auch leihweise zur Verfügung gestellt werden können, sollte sich an Volker Heidemann, Tel (0 52 23) 75 73-178 wenden. 

© Erich Kästner-Gesamtschule Kirchlengern