Niemals einfach wegschauen!
Gesamtschüler sprechen am Drogen-Präventionstag mit Betroffenen
Kirchlengern (BZ). Auf Parties wird Alkohol angeboten, der beste Kumpel kifft, und gemeinsam wird stundenlang am Computer gezockt – Jugendliche laufen auf vielen Ebenen Gefahr, in eine Sucht zu stolpern. Um sie für dieses Thema zu sensibilisieren, findet an der Erich Kästner-Gesamtschule regelmäßig der Drogen-Präventionstag statt.
Von Mareikje Addicks
Damit Jugendliche möglichst gar nicht erst in die Abhängigkeit rutschen und frühzeitig erkennen können, wenn vielleicht der beste Freund betroffen ist, bietet die Gesamtschule diesen Projekttag an – nun schon im siebten Jahr. »Der gesamte achte Jahrgang nimmt daran teil«, erklärt Schulsozialpädagogin Margret Albsmeier, die speziell die Gruppe im Alter von 14 oder 15 Jahren als besonders gefährdet einstuft.
Gemeinsam mit den Lehrerinnen Regine Steffen und Melanie Görge kontaktiert sie drei Drogenberatungsstellen aus der Region, um den Teenies nicht nur Vorträge über die Gefahren von Alkohol und Drogen zu organisieren, sondern auch Gespräche mit Betroffenen zu ermöglichen. »Es berührt die Jugendlichen, wenn jemand vor ihnen steht, der ihnen von seinem Weg in die Sucht und dem noch viel schwierigeren Weg zurück in ein geordnetes Leben erzählt«, weiß sie aus ihrer Erfahrung der vergangenen Jahre zu berichten.
»Es war sehr interessant, mit Menschen zu reden, die selbst abhängig waren und es in gewisser Weise immer noch sind«, sagt Jan-Niklas. Die Tatsache, dass das Leben für einen Abhängigen auch nach dem Eingestehen der Sucht und einer oder sogar mehrerer Therapien nie wieder so sein wird wie vorher, hat den Schüler nachhaltig beeindruckt. »Ich war überrascht, wie schnell der Alkoholkonsum in die Abhängigkeit geführt hat«, sagt Ralf über die Geschichte eines Mannes, der ganz offen mit den Schülern über seine Sucht gesprochen hatte.
Doch verändert ein solcher Projekttag tatsächlich das Verhalten der Jungen und Mädchen im Alltag? »Sicherlich schaut man nun mit einem anderen Blick auf das eigene Verhalten und das von Freunden«, sagt Emre. Für ihn steht fest: Süchtig will er auf keinen Fall werden, egal ob Alkohol oder Computerspielen. Anna-Lena hat gelernt zu differenzieren: »Sicherlich achten viele Mädchen auf ihre Figur. Aber deswegen sind sie nicht magersüchtig.«Der Projekttag, da sind sich alle einige, habe wachgerüttelt. Im Vorfeld bei einem Elternabend waren auch die Mütter und Väter der Schüler über das Projekt informiert worden. »Wichtig ist natürlich, dass Eltern ihre Kinder im Auge behalten und ein Suchtverhalten erkennen«, sagt Albsmeier. Auch die Schüler wollen besser hinschauen, die Toleranz ist gestiegen. »Wenn jemand keinen Alkohol trinken möchte, ist das völlig okay«, sagt Ralf. »Und wer zu tief ins Glas schaut, sollte mal an die Seite genommen werden.« Vor dem Hintergrund der Co-Abhängigkeit sei besonders Letzteres eine wichtige Erkenntnis, so Albsmeier. Nichts sei so schlimm wie das Wegschauen.
© Erich Kästner-Gesamtschule Kirchlengern





