Hoffen auf Unterstützung für die Ausstellung durch die Kirchlengeraner Bevölkerung (von links): Schulleiterin Antje Stuke, Bürgermeister Rüdiger Meier, Geschichtslehrer Wolfgang Böhm, Volker Heidemann (Gemeindearchiv) und die Schüler Christoph Kaufer, Sergej Huckenheimer, Jan Burdich, Nils Rahlmeyer, Marc Mair und Felix Uschmann. Nicht auf dem Bild: die Schüler Torben Kott und Ralf Brandt. Foto: Raske

Vier Jahre voller Leid

Gesamtschüler planen Ausstellung zum Ersten Weltkrieg (1914-1918)

Kirchlengern(BZ). Heinrich Knollmann-Höke aus Häver starb 1918 im Alter von nur 37 Jahren. Als Soldat eines Infanterie-Regimentes war er nach Flandern verlegt worden. Wenige Tage vor Ende des Ersten Weltkrieges wurde er durch einen Granatsplitter tödlich verletzt.

Von HilkoRaske

Sein Schicksal steht exemplarisch für das von vielen Kirchlengeranern, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben ließen. Und sein Schicksal bewegt auch Schüler der Klasse 10b der Kästner-Gesamtschule. Sie beteiligen sich an einem gemeinsamen Projekt von Gesamtschule und Gemeindearchiv. Denn dort wird ein Fundus an Gedenkblättern des heimischen Kriegervereins aufbewahrt. Den Kriegerverein gibt es in dieser Form zwar nicht mehr. Aber bei den Gedenkblättern, die nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlicht wurden, handelt es sich um wichtige Zeitzeugnisse. Das Projekt, an dem sich acht Zehntklässler, Geschichtslehrer Wolfgang Böhm und Volker Heidemann, bei der Gemeinde Kirchlengern zuständig für das Archiv, beteiligen, soll über die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges in Kirchlengern aufklären.

Für die Schüler, die sich freiwillig für dieses Projekt gemeldet hatten, war die Arbeit mit den historischen Dokumenten auch eine Herausforderung. Um die Zeitzeugnisse überhaupt lesen zu können, mussten sie die deutsche Frakturschrift und die Sütterlin-Handschrift erlernen. Doch damit nicht genug. zahlreiche Bücher zu diesem Thema mussten gewälzt, geschichtliche Dokumentationen gesichtet werden. »Die Schüler haben unter anderem die Kriegsschuldfrage des Ersten Weltkrieges selbstständig bewertet«, erzählt Geschichtslehrer Böhm, der von der Leistung der Zehntklässler begeistert ist. »Das hat eindeutig schon Oberstufenniveau.« So haben die Schüler versucht, anhand der Gedenkblätter noch in Kirchlengern lebende Nachkommen der Soldaten ausfindig zu machen. Einige von ihnen setzten sich mit dem Einwohnermeldeamt der Gemeinde in Verbindung, um die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Kirchlengeraner und ehemalige Anschriften in Erfahrung zu bringen.

»In einem Fall ist uns das bereits gelungen. Wir haben die Nichte eines im Ersten Weltkrieg gefallenen Kirchlengeraners ausfindig machen können«, erzählt Schüler Nils Rahlmeyer. Die Schüler möchten nun mit weiteren Nachkommen Interviews führen und so herausfinden, ob innerhalb einer Familie nach Erinnerungsstücke existieren – zum Beispiel Orden, Ehrenzeichen oder Ähnliches. »Gleichzeitig möchten wir alle Kirchlengeraner bitten, uns mitzuteilen, ob es noch heimische Familien gibt, die Materialien oder Fotos mit Bezug auf den Ersten Weltkrieg besitzen«, sagt Zehntklässler Marc Mair. Wenn die Schüler nämlich genug Materialien gesammelt haben, möchten sie diese in Form einer Ausstellung präsentieren.

Eine Idee, die auch Bürgermeister Rüdiger Meier gut findet. Er könnte sich durchaus vorstellen, dass die Ausstellung an mehreren Stellen in der Gemeinde präsentiert wird. Die passende Vitrine dazu werde auf alle Fälle die Gemeinde stellen, so Meier.

Wer Materialien oder Erinnerungsstücke hat, kann sich mit Volker Heidemann in Verbindung setzen: 0 52 23/75 73 178 oder info@kirchlengern.de.

© Erich Kästner-Gesamtschule Kirchlengern